Da Waldschrat und da Städta

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Da Waldschrat und da Städta

“Jo, seins den völlig vertrottelt? Lof´n ma grad muttersöln ruhig vor de Flint´n?!

„Ups, Sie meinten doch nicht etwa mich?“ Fred sah sich erschrocken nach der zeternden Stimme um.

„Jo, wen den sonst? Oda siagst villeicht nu wen anderen umadum rena, ha? Jo, woaßt denn du net, dass heint de Jagd is? Host ma den schen Bock verjagn! Jetzt schau dast weg kimmst! Sonst schiaß i da des Puiva do nu hintn draf!“

„Na also wirklich – einen Menschen von einem Bock werden sie ja doch noch unterscheiden können, oder nicht?
Fred war sichtlich entsetzt über solch eine Beschimpfung. Mit gespielter Gelassenheit trat er ein paar Schritte näher. Die Äste knarrten unter dem Gewicht seines Körpers und verscheuchten noch zusätzlich ein paar Hasen.

„An Bock von an am Me … – jessas, jetzt kann i de Hasn a nu vergessn! Sog, wer bistn du überhaupt und wos machst´n in unserm Wald, ha?“

„Ich? – Ähm, ich wollte nur einen schönen ruhigen Waldspaziergang machen.“

„A Woidroas? Und ruhig nennst du des? I glaubs ja net! Jo – wann ma des woitn, das ihr eich da rumtreibts, dann hät ma eh an Kiesweg füa eich gmocht, glaubst net a? Städta – in unserm Woid, i hoits net aus. Da Woid is füa´d Vicha da und mia, mia miassn schaun, dass eana gut geht, jawoi, so is des – vastehst, Städta?“

„Ach, mein Lieber – ich versteh sie schon. Aber nirgends sehe ich eine Tafel stehen, die es Spaziergängern verbietet den Wald zu durchqueren, und überhaupt – warum sind sie denn gar so schlecht gelaunt? Sie sollten sich ein wenig beruhigen, dann könnten wir uns in einem angenehmeren …“

„Meiner Söl, jo bist leicht du gar a Schwuchtel? Wia du gschwolln daher redst, des hoit ja koana länger ois zwoa Minutn aus!“

„Nein, mein Herr – ich bin hetero. Und sie?

„Jo – i bin des sicha net! Frech a nu, da Städta! Jetzt wia i aba glei wü…“

„Mein Lieber Jägersmann, darf ich nun in Ruhe meinen Waldspaziergang fortsetzen oder muss ich Angst haben, dass sie mir nachjagen und mich als Trophäe mitnehmen?

„Jo – des kannst nemma wiast wüst. Aba dei Kopf mocht si bei de Gamsln bei mir dahoam net so guat.“

Nachdenklich nahm Fred einen kleinen Notizblock aus seiner Brusttasche und kritzelte flinken Fingers ein paar Zeilen darauf. Als man aus dem Gebüsch zuerst leise, dann hörbar lauter eine Frauenstimme vernahm…

„Freeed? Fre-ed! Mein Lieber Fred, da bis du ja – ich hatte kein Taschentuch dabei, da … Wer ist denn der nette Mann hier, Fred?“

„Na, oiso wirkli – hab´n denn di Städta an Waundadog heit´?“ Und neidisch dachte der Jäger: „Oba, fesche Weiba hams, die Städta – a weng boanad, oba im großen und Ganzen…“

„Sagen´s uns Herr Jäger, mit wem haben wir denn das Vergnügen? Sie wollen doch einer jungen Dame nicht ihren Namen vorenthalten, oder?“

„Jo – so, jo – Koarl hoaß i hoit, Koarl Brumma, und da drübn, drent da – da Leit´n, do is mei Sacherl. Und wea übahaupt san se, waun i fragen deaf – Ladi?“

Nun konnte Fred nicht mehr anders. Ein breites, hämisches Grinsen zog sich beinahe von einem Ohr bis zum anderen.

„Nun, mein lieber Karl Brummer – ich bin der neue Förster hier im Wald. Wir sind gerade eben aufs Land gezogen. Und das hier ist meine liebe Frau, die Rosa. Heute machen wir unseren ersten Erkundungsgang durch den Wald. Finden Sie nicht auch, dass das Wetter dafür einfach herrlich ist?“

Piepsend leise, sagte der beschämte Jäger: „Jo – scho“ und stammelte ein zaghaftes: “Griaß Gott“ hinterher.

So wurde es wieder ruhig im hiesigen Wald.

 


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  • Zum Handeln gehört wesentlich Charakter, und ein Mensch von Charakter ist ein anständiger Mensch, der als solcher bestimmte Ziele vor Augen hat und diese mit Festigkeit verfolgt. Georg Wilhelm Friedrich Hegel

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